Musikalisch »zum Himmel aufgeschwungen«

Homberg-Nieder-Ofleiden/-Maulbach (csi). Standing Ovations ernteten die drei Chöre des mittlerweile siebten a cappella-Konzertes im Vogelsberg »VB quer«

Das Konzert wird vom »a cappella Soundhaufen Maulbach« als Veranstalter gemeinsam mit Gastchören präsentiert, diesmal dem Jugendchor »Mückenschwarm I« aus Flensungen und dem Chor »Vocal Voices« aus Künzell-Bachrain. Die Konzertreihe hat sich in den vergangenen Jahren schon einen etablierten Namen in der Region und darüber hinaus gemacht oder vielmehr ersungen. Erstaunlich ist immer wieder, wieviele qualitativ hochwertige Chöre es doch in unserer Gegend gibt, die sich für ein solches Chorkonzert zusammenbringen lassen.

»Das ist ein bisschen so wie bei DSDS: wir haben schon oft davon gehört und davon geträumt, mit der Teilnahme erfüllt sich nun dieser Traum,« sagte Thomas Pirkl, der Chorleiter der Vocal Voices aus Bachrain bei Fulda schmunzelnd.

Mit etwa 500 Gästen war die Turnhalle in Nieder-Ofleiden bis auf den letzten Platz besetzt. Die Konzertreihe »VB quer« hat eine treue Fangemeinde, aber lockt auch immer neues Publikum an. Während des Konzertes wurden die Gäste nicht nur zu Zuhörern, sondern auch zu Zuschauern. Das Bühnenbild mit schwarzem Stoff, davor hellblauem Himmel mit Wolken war nicht nur gestalterisch anspruchsvoll und einladend, sondern auch programmatisch. Immer wieder erklangen Spirituals und Liebeslieder fanden ihren Weg »in den siebten Himmel«. Auch die Outfits der Chöre, meist schwarz und damit zeitlos modern gehalten, waren ein Hingucker: besonders die vielen roten Einsprengsel an den Sachen der Maulbacher. Hieran zeigt sich, dass gute Chormusik gelebt sein muss, sich nicht nur hören, sondern auch sehen lassen kann und dadurch unterhaltsam wird.

Der Jugendchor »Mückenschwarm« aus Flensungen unter der Leitung von Heike Kratz-Gunkel besteht aus sechs singbegeisterten Mädchen im Alter zwischen 13 und 19 Jahren. Die jungen Sängerinnen bestachen durch ihre glasklare Intonation, die Kraft und Wärme ihrer Stimmen und durch das harmonisch und melodisch runde Gesamtbild. Bei nur sechs Sängerinnen und einer Begleiterin am Keyboard kommt es auf die stimmliche Ausgeglichenheit des Ensembles an, welche die Mädels dadurch bewiesen, dass immer andere Soloparts oder die Rolle der Leadsängerin in ihren Stücken übernahmen.

Ihr Repertoire reichte von klassischen Titeln, wie Haydns »Alles schweiget« und Durantes »Plenti sunt coeli« über Spirituals wie »Nobody knows« bis hin zu Musicalsongs wie »Can you feel the love tonight« aus dem »König der Löwen«. Jedes dieser Stücke wirkte, als sei es ihnen direkt auf den Leib geschrieben oder gar für sie komponiert worden, obwohl diese im Original ja gar nicht allein für Frauenstimmen geschrieben sind. Aber gerade mit den Frauenstimmen wurde der Song aus dem König der Löwen brillant – ein wirklicher Aha-Effekt. Schließlich setzten sie mit einem afrikanisch anmutendem Titel und dem Beach Boys-Song »Barbara Ann« noch einen drauf und rissen die Zuhörer beim Schlussapplaus von ihren Stühlen.

Die »Vocal Voices« aus Bachrain boten ebenfalls ein vielseitiges Programm. Sie begannen mit zwei Madrigalen von John Downland aus dem britischen 16. Jahrhundert. Zwar sind Madrigale bereits durch Jahrhunderte überbracht und auf Grund ihrer Themen wie die Liebe und das Trinken zeitlos, sie setzen aber eine entsprechende Interpretation voraus, damit sie so wirken. Dirigent Thomas Pirkl erreichte mit seinen Sängerinnen und Sängern diese Qualität der Interpretation und mithin diese Wirkung. Sein Einfühlungsvermögen zeigte der Chor auch bei einer Bearbeitung des Lional Richie Songs »Hello«. Aber vor allem hatten die Vocal Voices Humor, das zeigte sich besonders bei all ihren deutschsprachigen Titeln. Angefangen vom parodistischen Liebesbekenntnis »Rote Lippen soll man küssen« eines Chris Howland bis hin zu den Titeln »Frauen sind anders«, »Zur Lage der Nation« und »Wie kann es sein«, letztere aus der Feder von Thomas Pirkl selbst, versprühten die Vocal Voices ihren Charme und Witz direkt ins Publikum.

Für den Soundhaufen Maulbach war dieses Konzert etwas Besonderes. Denn der Gesangverein, zu dem der Soundhaufen gehört, feiert in diesem Jahr sein 100-jähriges Bestehen mit zahlreichen Festveranstaltungen, in die sich auch das Konzert VB quer einreihte. Jede Menge Unterhaltung und Kurzweil hatte Dirigent Uwe Henkhaus mit seinen Sängern dem Publikum mitgebracht. Schon ihr Einzug animierte die Zuschauer zum Mitklatschen. Dabei beherrschen die Chorsänger nicht nur die leichten unbeschwerten, sondern auch die melancholischen Töne, wie sie mit dem schottischen Liebeslied »Loch Lomond« unter Beweis stellten. Passend zur Kulisse schwangen sich die Spirituals »My Lord, what a morning« und »Elijah Rock« musikalisch zum Himmel auf. Wie originell Popmusik im Vogelsberg klingt, das zeigte der Soundhaufen mit den Titel »Half a Minute« und »Java Jive«. Doch dann wurde es deutsch, wenngleich im Titel »Kathrin« so ganz und gar nicht hessisch, sondern rheinländisch. Unvergleichlich hier die rheinische Solo-Sprechgesangeinlage von Heiko Greb in einem Titel, bei dem der ganze Soundhaufen nur aus Frohnaturen bestand. Auch die Grönemeyer-Lieder »Alkohol« und »Mambo« wurden regelrecht von den Maulbachern verkörpert: mit Lenkrad, Politessenmützchen, Trillerpfeife und Percussions war das Lied schauspielerisch und gesanglich nicht mehr zu überbieten. Fazit: wer nicht dabei war, hat was verpasst!

(Quelle: Alsfelder Allgemeine-Zeitung, 16. März 2010)

By | 2018-02-24T18:47:07+00:00 März 16th, 2010|Pressestimmen|0 Comments